Bilderfluten 

Bildermappe von Curt Gravenkamp aus den 50er Jahren des 20. Jh.

 Umfang: ca. 150 Bl., Papier, teilweise auf Karton aufgeklebt, unterschiedliche Größen, 
Frankfurt, Kunstgeschichtliches Institut

Foto: Marlène Heinzinger


Seit der Erfindung der Fotografie steigerte sich die massenhafte Verbreitung des Bildes unaufhörlich. Bereits im 19. Jahrhundert fühlten sich viele Zeitgenossen von der ‚Bilderflut‘ überfordert. Der Bedarf an Reproduktionen in der Kunstgeschichte war und ist allerdings gewaltig und trotz digitaler Bildproduktion noch nicht gestillt. Mit dem Iconic turn (Wende zum Bild, ikonische Wende) in den 90er Jahren erhielt das Bild zunächst eine Aufwertung, die aber heute durch die explosiv angewachsene Kommunikation via Bild durch die social media wieder relativiert wird. 
Die für den Privatgebrauch als Arbeitsmaterial geordneten Bildersammlungen von Wissenschaftlern in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wirken heute in unseren Augen dilettantisch, sind aber Zeugnis dafür, dass Abbildungen damals noch ungenügend zur Verfügung standen. So schnitten Kunsthistoriker*Innen aus verschiedenen Publikationen Reproduktionen aus und brachten sie in eine für sie brauchbare, systematische Ordnung. Mehrere solcher Mappen befinden sich im Archiv des Kunstgeschichtlichen Instituts. Ausgewählt wurde eine Sammlung des Kunsthistorikers Curt Gravenkamp, der von 1945-61 den Frankfurter Kunstverein leitete. Er war mit dem Kunstgeschichtlichen Institut Frankfurt eng verbunden und hatte dort 1924 mit einer Arbeit über Ernst Fries promoviert. Die Bildermappe umfasst Abbildungen zur Kunstgeschichte des Mittelalters (11. - 14. Jh.), von Flandern des 15. Jh. und von Italien des 15. Jh.

Fotosammlungen für den professionellen Anspruch

 Blatt 1118 Amsterdam / Amsterdam/Herstelt Lutherische Kapelle (mit handkoloriertem Himmel), Amsterdam/ Nederlandsche Handel Maatschappy, Fotografien von 1936, aus: Konvolut Vorderasiatisches Seminar und Sammlung für Bauforschung an der Universität Marburg,
Frankfurt, Kunstgeschichtliches Institut
Rückseiten mit Institutsstempeln aus nationalsozialistischer Zeit 
 

Foto: Marlène Heinzinger 


Im Kunstgeschichtlichen Institut existieren noch mehrere Stellordner mit aufgeklebten Fotografien (nur teilweise datierbar), sie wurden vermutlich überwiegend für Publikationsvorhaben zusammengestellt. Die meisten dieser Kapseln enthalten Fotoabzüge des Bildarchivs Marburg oder Aufnahmen, die auf Exkursionen des Instituts gemacht wurden. Als besonders rührig erwies sich hier Arne Franke, studentische Hilfskraft und Fotograf. Davon zeugen zahlreiche Fotografien zur Backsteingotik im Ostseeraum, die von 1984 bis 1993 entstanden. 

Auffällig ist ein wesentlich älteres Konvolut mit der Provenienz „Vorderasiatisches Seminar und Sammlung für Bauforschung an der Universität Marburg“. Dieses Material wurde offensichtlich von Friedrich Wachtsmuth 1943 mit der Verlegung des Seminars von Marburg nach Frankfurt mitgebracht, als er neuer Direktor am Frankfurter Institut für Vorderasiatische Kunst (1943–1945) wurde. Er kam mit einer beachtlichen Lehrsammlung von Objekten deutscher Ausgrabungen in Assur, Uruk u.a. In diesem Zuge muss auch die Fotosammlung an das Kunstgeschichtliche Institut Frankfurt gelangt sein. Wachtsmuth, Kunsthistoriker mit Schwerpunkt Vorderasien hatte kurz zuvor eine Publikation über den Backsteinbau der Neuzeit herausgebracht, in ihr lassen sich einige Abbildungen aus der Fotosammlung  des Frankfurter Instituts nachweisen. Für die Nachwelt ist Friedrich Wachtsmuth wegen seiner Haltung im Nationalsozialismus stark umstritten. Als politisch belastet eingestuft wurde er 1945 an der Universität entlassen. 4 Jahre später bezeichnete ein Spruchkammerbescheid ihn nur noch als Mitläufer. 

 Ein Hörsaal für die Kunstgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts 

 Abbildung aus: Caraffa, Costanza (Hrsg.): Fotografie als Instrument 
und Medium der Kunstgeschichte, Berlin 2009, S. 92 

Leider existieren nur sehr wenige frühe Fotografien vom Alltag kunsthistorischer Lehre und deren baulicher und technischer Ausstattung. Eine Ausnahme bildet das Foto eines unbekannten Fotografen vom Hörsaal des Kunsthistorischen Seminars an der Universität Leipzig, das um 1908 entstand. August Schmarsow, der Direktor des Leipziger Instituts von 1893 bis 1919, hat die Ausstattung dieses Raums im 4. Band der Festschrift zur Feier des 500jährigen Bestehens der Universität Leipzig minutiös beschrieben. 
Auf dem Foto sehen wir links eine große Staffelei mit deren Hilfe mehrere Reihen von großformatigen Abbildungen gezeigt werden konnte und verschiedene Wandtafeln zum Aufstellen von Fotografien, Drucken etc. Sie alle belegen das Bestreben viel Anschauungsmaterial in der Lehrveranstaltung einzusetzen, um die besprochenen Bilder den Studierenden zu präsentieren. 
Hinter der Staffelei führte eine Treppe zum Podium, auf dem ein Projektionsapparat stand. Die Lichtbilderpräsentation fand auf einer weißen Wand gegenüber dem Rednerpult statt. Da der Hörsaal laut Schmarsow mit Drehstühlen ausgestattet war, konnten Redner und alle anderen Anwesenden gleichzeitig der Bilderschau folgen, eine vermutlich unübliche, aber vorteilhafte Praxis. Bis heute erscheint die Projektion meist im Rücken des Vortragenden.


Von Konstantin bis Kokoschka: Harald Keller, Professor für mittlere und neuere Kunstgeschichte am Frankfurter Kunstgeschichtlichen Institut 1947/48-1971

Unbekannter Fotorgraf, Harald Keller, Schwarz-Weiß-Fotografie, o. J.
 Frankfurt a. M., Kunstgeschichtliches Institut


Foto: Marlène Heinzinger 

 
Harald Keller (24.6. 1903 Kassel - 5.11. 1989 Frankfurt a. M.) studierte Kunstgeschichte von 1923 bis 1929 an den Universitäten in Leipzig, Heidelberg und München. Sein Studium schloss er mit der Promotion in München mit einer Arbeit über Das Treppenhaus im deutschen Schloß- und Klosterbau des Barock ab, die von Wilhelm Pinder betreut wurde. Danach war er Assistent im Sankt Annen Museum in Lübeck, bevor er 1930 als Stipendiat und später als Assistent an die Bibliotheca Hertziana nach Rom ging. 1935 habilitierte er in Frankfurt über Die Bauplastik des Sieneser Doms. Keller folgte 1935 dem Betreuer seiner Habilitation, Hans Jantzen, nach München, wo er bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs Dozent für mittelalterliche und neuere Kunstgeschichte war. Nach seinem Militärdienst (1939-1944) wurde er zum außerplanmäßigen Professor in München ernannt. Da Keller als „nicht belastet“ eingestuft worden war, bekam er 1947 den Ruf an die Universität Frankfurt, wo er bis zu seiner Emeritierung 1971 – also fast 25 Jahre! – als Ordinarius lehrte.
Die Äußerungen der Studierenden über Harald Keller charakterisieren ihn als engagierten Lehrer, der das gesamte Gebiet der Kunstgeschichte – „von Konstantin bis Kokoschka“, wie er selbst es beschrieb, – in seinen Lehrveranstaltungen vermittelte. Von den zahlreichen Schriften ist sein Werk über die Kunstlandschaften Italiens (1960) hervorzuheben, in dem er die Kunstgeografie als ein zusätzliches Instrument für das Verständnis von Kunst aufnimmt.



Material für die mündlichen Prüfungen in der Kunstgeschichte: Postkartensammlung Harald Kellers

Blechkasten, Postkarten, o. J.
 Frankfurt a. M., Kunstgeschichtliches Institut

Foto: Marlène Heinzinger

Als Teil der Prüfung von Studierenden der Kunstgeschichte gehörte lange Zeit der sogenannte Postkartentest, bei dem der Lehrende Postkarten mit Abbildungen von Kunstwerken zeigte, die von den Prüfungskandidat*innen identifiziert werden sollten, d.h. den Namen des/der Künstler*in sowie den Werktitel nennen und anschließend das gezeigte Kunstwerk datieren. Der hier gezeigte Kasten mit Kunstpostkarten wurde von Harald Keller in den Prüfungen eingesetzt. Leider ist es nicht bekannt, wie viele Kunstwerke die Studierenden erkennen sollten. In den Zwischenprüfungen für das Magisterstudium wurden vor 15 Jahren noch 5 Postkarten präsentiert, die Kunst aus verschiedenen Epochen und Gattungen zeigten. Häufig waren die Postkarten mit folgenden Fragen verbunden: 

·         Welche/r Künstler*in hat das Werk geschaffen? 

·         Wie lautet der Titel des Kunstwerks? 

·         Wann ist das Kunstwerk entstanden? 



  Das große Glasdia 

Verschiedene große Glasdias (10 x 8,5 cm)
Frankfurt, Bildstelle Kunstgeschichtliches Institut 

 Foto: Marlène Heinzinger 

 

Vor den Kleinbilddias wurde bis weit in die 1970er Jahre mit großen Glasdias (Format 8,5 x 10 cm) in der Kunstgeschichte gearbeitet. Nur langsam verabschiedeten sich die Lehrenden von diesem Format, das besonders durch die hohe Bildqualität bestach. 

Die Herstellung eines Glasdias war komplex. Es waren mehrere Arbeitsschritte nötig, um das fotografierte Negativ auf der Glasplatte des Dias zu fixieren. Daher stammen fast sämtliche Objekte der Sammlung des Kunstgeschichtlichen Instituts von großen Lichtbildverlagen wie Foto Marburg oder Stoedtner. Mit nur ganz wenigen Ausnahmen sind alle noch vorhandenen Dias schwarzweiß. Leider stehen uns im Frankfurter Institut keine geeigneten Projektoren mehr zur Verfügung, um eine Schau zu simulieren. 

 

Auf dem portablen Leuchttisch liegen exemplarisch 4 große Glasdias. 
(von oben nach unten, von links nach rechts)

 

  •  Dokumentierendes Glasbilddia einer Figur vom Colmarer Martinsmünster, aufgenommen bei Restaurationsarbeiten des späten 19. Jhs. Im Vordergrund links ist der Schatten des Fotografen noch zu sehen. 
  • Speziell für die Übung des vergleichenden Sehens angefertigtes Dia mit der Kölner  Madonna des Veronikameisters und der Madonna vom Ortenberger Altar. 
  • Fresko aus der Katakombe Commodilla, Beispiel einer größeren Diasammlung (alle mit rotem Band abgeklebt), die von der Universität Chicago stammen. Diese Sammlung kam nach Frankfurt als im Rahmen eines Austauschprogramms mit den USA, Otto von Simson in der Nachkriegszeit am Kunstgeschichtlichen Institut in Frankfurt lehrte. 
  • München, Werks- und Fabrikgebäude der 50er Jahre von Siemens. Eines der sehr seltenen Farbgroßdias in unserer Sammlung. Die Verwendung von Farbaufnahmen setzte sich in der Lehre nur sehr schwer durch. Die subjektive Wahrnehmung von Farben wurde als das Kunstwerk störender Faktor empfunden. Bezeichnenderweise stammt dieses Dia nicht von einer Agentur, die sich auf Kunstreproduktionen spezialisiert hatte, sondern konnte beim Siemens-Konzern bestellt werden. 



 Ausdruck der Wertschätzung: Dia-Inventarhefte

Sechs Inventarhefte aus der Diathek, DIN A5, Papier
 Frankfurt, Bildstelle Kunstgeschichtliches Institut

  Foto: Marlène Heinzinger

 

Es sind noch sechs Dia-Inventarhefte erhalten, in die fein säuberlich die Inventarnummer und das auf ihnen dargestellte Objekt handschriftlich eingetragen wurden. Die Hefte stammen vom Wintersemester 1947 ff. (leider ist nur das erste Heft datiert) und zeigen, dass mit Harald Keller, der 1947 nach Frankfurt berufen wurde, die Lehre nach dem 2. Weltkrieg wieder Fahrt aufnehmen sollte. Die Sorgfalt mit der jedes einzelne Bild inventarisiert wurde, verdeutlich die Wertschätzung des Diaarchivs, das Harald Keller mit Verve aufbaute. Wir wissen auch, dass die Dias von den Professoren in Frankfurt selbst und nicht etwa, wie später üblich, von hilfswissenschaftlichen Kräften beschriftet wurden. Im Hamburger Seminar haben sich sogar Glasbilder mit der Handschrift Erwin Panofskys erhalten.


Die Rettung kam aus Hamburg 

Archivbox, Karton, 28,5 x 11,5 x 10 cm 
Gebräuchliche Holzkiste für die Vorsortierung der Diaschau, Holz, 26 x 10,5 x 7 cm, Frankfurt, Bildstelle Kunstgeschichtliches Institut

Foto: Marlène Heinzinger

Lange Zeit fristete die historische Glasbildsammlung ein trauriges Dasein im Keller des Frankfurter Kunstgeschichtlichen Instituts. Nachdem die geeigneten Projektoren aus den Hörsälen verschwunden waren, wurde das Medium obsolet. Die viele Jahrzehnte geschätzten Lehrmittel der Kunstgeschichte waren zu Abfall geworden, zumindest im Bewusstsein der 1980er Jahre. In alte Kartons geschichtet, zerbrachen viele Objekte und mussten nun aussortiert werden. Die Rettung, zumindest für einen Teil des Bestandes, war schließlich die Schenkung mehrerer Archivboxen aus dem Kunstgeschichtlichen Seminar in Hamburg. Hier sei Frau Dr. Napp noch einmal besonders gedankt. Mittlerweile konnten so ca. 7000 Dias sicher magaziniert werden. Hierbei wurden Motive aus der Architektur- und Skulpturgeschichte ausgewählt. Der Restbestand – Dias, die Werke der Malerei oder Zeichnungen zeigen –, wird vermutlich durch den Umzug auf den Campus Westend und dem dortigen verminderten Raumangebot, entsorgt werden müssen. Einige wenige motivgeschichtlich interessante Glasdias wurden inzwischen digitalisiert und in das Bilddatenbanksystem ConedaKor eingepflegt. 

 




  Ein Schwarm kleiner Fische. 
Was haben Microfiches mit der Kunstgeschichte zu tun? 

Microfiche des Marburger Index, 1977-2008, Filmmaterial, 15 x 10,3 cm, Frankfurt, Kunstbibliothek
Microfiche der Witt Library, 1990-1992, Filmmaterial, 15 x 10,5 cm,  Frankfurt, Kunstbibliothek
 

 Foto: Marlène Heinzinger


Microfiches sind auf Filmmaterial verkleinerte Reproduktionen von gedruckten Vorlagen. Im vordigitalen Zeitalter ermöglichten sie große Bild- und Informationssammlungen auf kleinem Raum. Die zwei wichtigsten Microfichesammlungen in der Kunstbibliothek Frankfurt sind der Marburger Index und The Witt Library in the Courtauld Institute of Art.

Der Marburger Index dokumentierte von 1977 bis 2008 die Bildbestände des Bildarchivs Marburg auf Microfiches, zunächst für Deutschland, später auch für andere Länder. Die Abbildungen konnten bei Foto Marburg als Fotoabzug kostenpflichtig bestellt werden. Viele Fotografien der institutseigenen Fotosammlung kommen aus dieser Quelle. Heute lässt sich der Bestand eines der größten Bildarchive der Welt, Foto Marburg, im Internet Bildindex der Kunst und Architektur recherchieren.

Robert Witt baute im späten 19. Jh. eine Abbildungssammlung auf, die nach seinem Tod an das Courtauld Institute of Art in London ging: The Witt Library in the Courtauld Institute of Art, 1990-1992. Es finden sich darin hauptsächlich Informationen und Abbildungen europäischer Werke, die nach sog. Länderschulen geordnet sind. Die ca. 2 Millionen Abbildungen der Witt Library wurden inzwischen mit Hilfe der Online-Datenbank Witt Library collection zugänglich gemacht, allerdings kostenpflichtig. 
 
Für die Microfiches gab es in der Bibliothek spezielle Lesegeräte, die nicht mehr erhalten sind. Mit einem sog. Reader-Printer konnten auch Ausdrucke erstellt werden. 

 Kleinbilddias treten ihren Siegeszug nicht nur im Wohnzimmer an

Auswahl von Kleinbilddias mit verschiedenen Rahmungsmethoden, 
Diaschachtel, Diabetrachter , Frankfurt, Bildstelle Kunstgeschichtliches Institut

 

Foto: Marlène Heinzinger


Seit den 1970er Jahren  kamen immer häufiger Kleinbilddias in der Lehre zum Einsatz und lösten somit die Generation der großen Glasdias ab. Die Vorteile des Kleinbilddias lagen auf der Hand: Im Gegensatz zu letzteren konnten die Kleinbilddias vom Film in Eigenregie hergestellt werden, die Auswahl der Motive war flexibler und die Herstellung zudem sehr viel günstiger. Im Frankfurter Institut wurde daher neben der Diathek auch eine Photothek installiert, die viele Jahre von einer studentischen Hilfskraft betreut wurde. Erst 1995 gelang es eine halbe Stelle für eine Reprofotografin einzurichten.

Mit dem Kleinbilddia hält auch die Farbe Einzug in die Projektion. Die Farbigkeit von Reproduktionen war in der Kunstgeschichte lange Zeit verpönt. Sie wurde den unterhaltenden Medien zugesprochen und galt als unwissenschaftlich.  So fand noch Ende der 70er Jahre im Frankfurter Institut eine Vorlesung zur Malerei des Impressionismus ausschließlich mit schwarzweißen Glasdias statt. Ein großer Nachteil des Kleinbildfilms war allerdings seine mindere Qualität und die Filme vertrugen den Alterungsprozess meistens schlecht. Je nach Fabrikat gab es starke Farbstichigkeit, auch waren die Filme oft nicht richtig ausentwickelt.

Die Schachteln der Gepe-Diarahmen kennt wohl jeder, der einmal in einer Diathek gearbeitet hat. Gegenüber den meist gekauften Dias im dünnen Papprähmchen, bot das Anti-Newtonglas den selbstgerahmten Dias Schutz vor Verschmutzung und sollte auch dazu beitragen,  Newtonsche Ringe, die  durch unterschiedliche dicke Luftschichten zwischen Glas und Diafilm entstehen, zu verhindern. Auf diese Weise wellte sich das Dia nicht, trotz Hitzeeinwirkung während der Projektion.

Ein roter Punkt auf dem Diarahmen diente der Orientierung für den Diaschieber, damit das Dia im Projektor richtig eingelegt werden konnte. Auf die weiteren Markierungen wird an anderer Stelle eingegangen.

Ein großer Teil der beinahe 300 000 Kleinbilddias befindet sich noch im Keller des Kunstgeschichtlichen Instituts, die eine der größten universitären Diasammlungen kunsthistorischer Institute in Deutschland war. Mit dem Umzug des Instituts auf den Campus Westend wird dieser Bestand aufgegeben. Für eine Kooperationsveranstaltung mit dem Institut für Kunstpädagogik Frankfurt und der Bildstelle wurden die Kleinbilddias 2018 zur künstlerischen Arbeit freigegeben, so dass die Sammlung nicht mehr vollständig ist.

 

 

 





 Schreibe 30 mal „AKAT. Matisse, Zch 1982“

 !An alle Diatheks-Hiwis!  -  Anleitung zur Beschriftung der Kleinbilddias, Abkürzungsverzeichnisse
2 Arbeitsunterlagen für studentische Hilfskräfte der Diathek, 2 Blatt; 5 Blatt; Entstehungszeit unbekannt, 1990er Jahre vermutet, Frankfurt, Bildstelle Kunstgeschichtliches Institut

 

Foto: Marlène Heinzinger


Da die Diarahmen nur wenig Platz für eine Beschriftung boten und um darauf möglichst viele Informationen unterzubringen, gab es Abkürzungsverzeichnisse z.B. für Institutionen und Techniken. Die ausgestellte Liste dokumentiert die ständige Erweiterung der Kürzel.

Weil häufig viele Abbildungen aus einem Buch abfotografiert wurden, kam es zu ermüdenden Hiwi-Tätigkeiten, musste doch anschließend jeder Diarahmen mit dem Hinweis auf die Literatur versehen werden, z.B. dem Ausstellungskatalog des Zürcher Kunsthauses zu Henri Matisse von 1982. Erst die Möglichkeiten der digitalen Datenbankverwaltung machten diese handwerklichen Tätigkeiten obsolet und verbesserten den Informationsgehalt der abgebildeten Objekte sowie deren stetige Anpassung an neue Forschungsinhalte. 



  Von wegen langsam tickende Uhren! Zu den Rallyestreifen in einer Diathek...

Klebeband, Auswahl von Kleinbilddias
Frankfurt, Bildstelle Kunstgeschichtliches Institut

 

Foto: Marlène Heinzinger


Die Filmstreifen der Kleinbildfilme wurden von den studentischen Hilfskräften der Diathek auseinandergeschnitten, gerahmt und wenn nötig mit opaken Streifen abgeklebt. Hierzu dienten die in verschiedener Größe erhältlichen Rallyestreifen der Autozubehörbranche. Anschließend wurden die Rahmen mit den Metadaten versehen und das Dia in die Systematik der Sammlung eingeordnet.
Die meisten Dias waren Reproduktionsfotografien aus Büchern, sie wurden durch wenige Fotos ergänzt, die auf Exkursionen entstanden. Als Klaus Herding (1939-2018, Kunsthistoriker) 1993 an das Frankfurter Institut kam, begann die Blütezeit der Diathek, die zwei Jahrzehnte dauerte. Große Fotokampagnen, bei denen Standardwerke der Kunstgeschichte durchfotografiert wurden, ließen die Sammlung bedeutend anwachsen und so arbeiteten pro Semester über 10 Hilfswissenschaftler am Bestandsaufbau.

 Video Killed the Radio Star: 
Ein etabliertes Medium wird durch ein anderes verdrängt

Diaprojektor Liesegang Diafant, Frankfurt, Bildstelle Kunstgeschichtliches Institut

 

Foto: Marlène Heinzinger

2002 tritt neben die analoge Bildproduktion das digitale Medium. Doch noch ein Jahr danach wurden in Frankfurt zwei neue Diaprojektoren für die Lehre angekauft. Sollte die Zeit des Dias nie enden?! Viele Dozierende konnten sich nur schwer an die neuen Verhältnisse gewöhnen, zugegebenermaßen mussten noch einige Schwächen, z.B. die Verbesserung der Bildschärfe oder die Lichtstärke des Beamers überwunden werden. Zumindest im Lehrmittelbereich endete die Diaproduktion am Frankfurter Institut aber dann doch 2006/07.


 



  Diascanner - ein Versuch Bilderkonvolute in den Diatheken zu retten

Nikon Super Coolscan 4000 , Frankfurt, Bildstelle Kunstgeschichtliches Institut

Foto: Marlène Heinzinger

 

In der Übergangszeit versuchte man die umfangreiche Diasammlung zu digitalisieren.
Von einer Fremdfirma wurde der Inhalt mehrerer Diaschränke digitalisiert.  Die Ergebnisse waren leider unzulänglich: Das Abscannen der Dias ging zu Lasten der Schärfe, auch seitenverkehrte Reproduktionen entstanden durch die automatisierten Prozesse. Die ohnehin meist inzwischen stark farbstichigen Abbildungen taten ihr Übriges. Zusätzlich wurden umfangreiche Recherchen der Diatheksmitarbeiter nötig, um die Metadaten auf den Diarahmen zu verifizieren. 

In kleinerem Umfang kam im Institut ein Diascanner zum Einsatz, mit dem ganze Diamagazine eingescannt werden konnten. Auch dies war nur ein vergeblicher Versuch, die Jahrzehnte lang gewachsene, historische Sammlung, für die Lehre noch nutzbar zu machen. 





Digital turn 

Poster für das Bilddatenbanksystem DILPS (ca. 2001), Frankfurt, Kunstgeschichtliches Institut

Mit der Jahrtausendwende begann der Umstellungsprozess von der analogen Diathek zur digitalen Bildstelle. Thorsten Wübbena, gerade neu für den IT-Bereich am Institut eingestellt, hatte zusammen mit der Zürcher Hochschule der Künste und der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe bereits an der Entwicklung des Datenbanksystems DILPS (Distributed Image Library Processing System) mitgewirkt und brachte diese Erfahrungen im Jahr 2000 mit nach Frankfurt. Bis 2007 wurde DILPS in enger Zusammenarbeit mit dem Kunstgeschichtlichen Institut Frankfurt in mehreren Versionen weiterentwickelt.  

Da sich einige Dozenten*innen nur schwer an die digitale Technik gewöhnten, wurden ein paar Jahre neben den digitalen Bilddateien auch noch Dias produziert. Die Anzahl reduzierte sich gegenüber ersteren jedoch immer mehr. 
Das DILPS-Plakat sollte für eine größere Akzeptanz der digitalen Bildverwaltung werben. Es greift das beliebte Pixel-Motiv der frühen digitalen Projekte auf. Weitere Veränderung betraf auch die Reproduktionstechnik, da nach und nach das Fotografieren der Abbildungen aus Büchern durch das effektivere Scannen ersetzt wurde.




Digital turn, Teil II 

Bildeingabemaske  - Teil der Arbeitsunterlagen für Diathekshiwis (2005),
Frankfurt, Bildstelle Kunstgeschichtliches Institut


Die Eingabe der Metadaten zu einem Kunstwerk erfolgte  mit DILPS in einem Formularblatt, das alle relevanten Informationen zu dem Kunstwerk abfragte. Nur einige Pulldown-Menüs standen zur Verfügung, durch die bereits bekannte Einträge übernommen werden konnten. Die Bilddatenbank wurde durch die Bausteine DILPS-Leuchtpult (Editor) und DILPS-Projektor (Viewer) ergänzt, die der Präsentation des Bildmaterials dienten. 





Finde das Original oder besser: Finde die Reproduktion, 
die dem Original am nächsten kommt!

8 verschiedene Versionen einer Reproduktion von The Yellow Milkmaid von Johannes Vermeer
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Yellow_Milkmaid_Syndrome.PNG (gesehen 4.5.2021)

Bei einer Google-Bildersuche findet der Nutzer häufig mehrere farbliche Varianten eines Motivs. Doch welches kommt dem Original am nächsten? Heute werden digitale Kopien von Kunstwerken massenhaft im Netz verbreitet. Die Qualität fällt dabei recht unterschiedlich aus. Der Grund hierfür hat viele Ursachen, so sind zum Beispiel bereits die gedruckten Vorlagen der Kopien farbstichig oder stark beschnitten, private Handyfotos haben eine unzureichende Auflösung u.s.w. Einige Kunstwerke haben darunter besonders gelitten. Häufig zitiert wird in diesem Zusammenhang das Selbstporträt von Vincent van Gogh des Musée Orsay in Paris oder Die Dienstmagd mit Milchkrug von Jan Vermeer im Rijksmusem, Amsterdam. Nach ihr wurde 2011 das Phänomen „Yellow Milkmaid Syndrom“ benannt. Über 10 000 Kopien des Gemäldes im Netz sorgten schließlich dafür, dass die Häufigkeit der Ähnlichkeit darüber entschied wie das Original wohl aussehe. Um die Kontrolle über die Bildqualität ihrer Werke zu behalten, entschied sich das Rijksmuseum dazu Open-Access-Bilder aus eigener Produktion zu veröffentlichen. Viele Institutionen folgen mittlerweile diesem Beispiel. 

Aber auch wenn heute die Museen zunehmend hochwertige Digitalisate ins Netz stellen, ist das Problem der Farbe noch nicht gelöst. Bei der Produktion und Wiedergabe von Bilddateien sind mehrere Geräte beteiligt, die die Qualität durch ungleiches Farbmanagement beeinflussen können. 



 Modernes Datenmanagement heute - ConedaKOR

  

Das Datenbanksystem für Forschung und Lehre ConedaKor, Plakat, ca. 2009
 Frankfurt, Kunstgeschichtliches Institut


Ende 2008 begann die Entwicklung des Open-Source-Datenbanksystems ConedaKOR im Kunstgeschichtlichen Institut Frankfurt. Ausgangspunkt hierfür war eine Arbeitsgruppe aus Vertreter*innen der IT-Abteilung und der Bildstelle, die den Bedarf für eine Software gesehen hatte, die den Mehrwert von Informationen – der selten in der reinen Menge von Daten, sondern erst in den vernetzten Beziehungen enthalten ist – abbilden kann. Für die gestellte Aufgabe setzte man auf das Vorgehen, dem Data Curator die Möglichkeit zu geben, eine Graphstruktur über ein einfaches Web-Interface anzulegen, anzupassen und mit Daten zu befüllen. Die Installation löste schließlich im Juni 2009 die Datenbank DILPS ab, die den Anforderungen nicht mehr genügte. Die Umstellung auf ein gänzlich anderes Konstrukt bereitete der Bildstelle im Alltag zunächst Schwierigkeiten, kein Arbeitsgang ähnelte mehr den alten Vorgehensweisen. Der höhere Komfort und die erweiterten Möglichkeiten der Informationsaufbereitung sprachen aber für sich und so spielte sich nach kurzer Zeit der Arbeitsprozess ein. 
Die Eingabe erfolgte nun nicht mehr in isolierten Listeneinträgen, sondern in der Anlage von Entitäten, die miteinander verlinkt werden konnten. Redundante Datensätze wurden so vermieden und zugleich die Qualität der Metadaten verbessert. Es entsteht ein vielgliedriges Netzwerk, das sich ständig erweitert und komplexes exploratives Suchen ermöglicht.  Die relevantesten Entitäten sind Medium, Werk, Person, Institution und Literatur, zu den relevantesten Relationen gehören Bilddatei zu Werk, Literatur enthält Bilddatei, Basisdaten zum Werk aus (Quelle), hat geschaffen, befindet sich. Die so vorgenommenen Zuordnungen können für andere Projekte geändert oder erweitert werden, so dass ein flexibler Einsatz dieses Datenbankmodells möglich ist. Die Metadaten unserer Installation werden durch die Verlinkung zu Normdateien ergänzt, zum Beispiel GND (Deutsche Nationalbibliothek) oder ULAN (Getty Research Project). Heute kommt die Software in vielen Forschungsvorhaben zum Einsatz. Die größte KOR-Installation mit über 300 000 Entitäten ist aber (noch) das von der Bildstelle betreute hiesige Bilddatenbanksystem.